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Eine Demonstrantin:
"Alle Stimmen der Jugend gehören doch Mussawi und zwar zu 100 Prozent."
Teheran sah eine Protestwelle, wie es sie seit dem Sturz des Schahs 1979 nicht mehr gegeben hatte.
Am Wahltag selbst sind die Reformer um Mir Hussein Mussawi noch voller Zuversicht. Die Schlangen vor den Moscheen, die als Wahllokale dienen, werden immer länger. Eigentlich ein gutes Zeichen. Viele junge Menschen sind dabei. Sie hatten bei den letzten Wahlen aus Protest nicht gewählt. Dann hört man: In den Provinzen seien die Stimmzettel ausgegangen. Als um 22 Uhr die Wahllokale schließen, haben viele noch nicht gewählt. Noch vor Mitternacht geht Mussawi vor die Presse.
Der Protest von Mussawi
Mir Hussein Mussawi:
"Die Unstimmigkeiten, die während des heutigen Tages passiert sind, machen die Wahl ungültig. Wir werden dies verfolgen, mit Rückendeckung der Nation."
Unerwartet schnell verkündet das Staatsfernsehen um 11 Uhr, einen Tag nach der Wahl, das Ergebnis: 64,7 Prozent für Ahmadinedschad, 32,2 für Mussawi. Doch da sind die Stimmen der Auslandsiraner noch gar nicht ausgezählt.
Ajatollah Ali Chamenei, der geistliche Führer - im Iran das höchste Amt, gratuliert als erster. Der mächtige Wächterrat bestätigt das Ergebnis. Mahmud Ahmadinedschad heißt der alte und neue Präsident.
Die Proteste breiten sich in den folgenden Wochen weiter aus. Der Staat ist vorbereitet und schickt seine Freiwilligenmiliz, die Bassidsch. Die knüppeln die Demonstranten nieder. Auch Journalisten und Kameraleute werden zum Ziel. Diese Bilder will das Regime nicht veröffentlicht sehen. Aber es gibt Handys und das Internet: Twitter, Facebook und You Tube.
Die Bassidsch knüppeln nieder
In den ersten Wochen nach der Wahl gibt es viele Tote und Verwundete. Das Regime spricht von 30, die Opposition von 100 Toten.
Der Tod der Studentin Neda: Nach Augenzeugenberichten soll ein Bassidschmilizionär die Demonstrantin erschossen haben. Diese Amateuraufnahmen vom öffentlichen Sterben der Studentin machen sie zur Ikone der Protestbewegung.
Und Präsident Ahmadinedschad beschuldigt das Ausland, an allem schuld zu sein:
"Die wollen uns schwächen und uns von unserem heiligen und gerechten Weg abbringen. Doch je mehr Druck der Westen macht, desto unnachgiebiger werden wir."
Im Parlament besetzt Ahmadinedschad alle wichtigen Posten mit seinen konservativen Freunden von den Revolutionsgarden. Die Mullahs werden mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt.
Prozesse gegen die Demonstranten
Erste Spannungen im System werden sichtbar, als Ahmadinedschad von Revolutionsführer Chamenei seine Ernennungsurkunde bekommt. Weder der sonst übliche Kuss, noch eine Umarmung klappen.
Im Sommer 2009 kommt es zu Schauprozessen. Zeitweise sind bis zu 4.000 Demonstranten in Haft. Drei Regimegegner werden zum Tode verurteilt. Dem geistlichen Oppositionspolitiker Abtahi wird der Turban abgenommen, dann wird er gezwungen ein Geständnis abzulegen, dass er in die Irre geleitet worden sei. Gegen die Französin Clothilde Reiss werden Spionagevorwürfe erhoben. Im Mai dieses Jahres kann sie das Land verlassen.
Grüne Zeichen an den Wänden
Die bisher letzten Proteste gegen das Regime finden zum Ashurafest, am 27. Dezember statt. Auch sie enden blutig. Mindestens acht Menschen sterben - darunter der Neffe des Oppositionsführers Mussawi. Andere Quellen sprechen von 15 Toten. Mindestes 300 Menschen werden festgenommen. Dann wird es still um die Opposition.
Denn das Regime setzt auf Einschüchterung: Auch ein Jahr nach der umstrittenen Präsidentenwahl sind laut Amnesty International noch 100 Oppositionelle in iranischen Gefängnissen. Und Reporter ohne Grenzen listet 37 inhaftierte Journalisten auf. 100 weitere hätten das Land verlassen.
Vor dem Jahrestag der Wahl tauchen in der Stadt immer wieder Zeichen der sogenannten grünen Opposition auf. Das Regime beginnt nervös zu werden.