Erwin Dilg, Rentner: "Wenn die mit dem Strompreis jetzt noch mal weiter raufgehen, des ist Wahnsinn! Wer soll denn das noch zahlen?"
Auch für eine allein erziehende Mutter und Hartz IV-Empfängerin ist die prognostizierte Strompreissteigerung brutal.
Helga Schmandra, HartzIV-Empfängerin: "Wir haben so schon relativ wenig zum Leben, schaffen es manchmal im Monat noch nicht einmal über die Runden zu kommen. Und wenn ich da überlege, jetzt noch einmal zehn Prozent weniger zu haben, also das ist schon eine kleine Katastrophe für mich."
Die hohen Subventionen für Solarstrom muss jeder Bundesbürger mit einem Aufschlag auf seine Stromrechnung bezahlen.
reportVideo: Mogelpackung Solarstrom: Der Verbraucher zahlt immer draufSolarzellen auf dem Dach produzieren Strom, schützen die Umwelt und werfen eine Rendite ab. Die Kehrseite: Laut report-Informationen werden die Strompreise für alle Verbraucher bald um bis zu 10 Prozent steigen. Ursache sind vor allem die ausufernden Subventionen für den Ökostrom vom Dach.
Die Solarlobby macht mobil. Denn die Bundesregierung wird die Solarsubventionen bald etwas absenken. Die Branche protestiert massiv dagegen, fürchtet um ihre Riesen-Renditen.
Werden die Stromkunden also bald bei der Stromrechnung entlastet?
Bundesumweltminister Norbert Röttgen lässt sich bereits als Subventionskürzer gegen die Solarlobby feiern.
Norbert Röttgen, CDU, Bundesumweltminister: "Wir wollen nicht Renditen im zweistelligen Bereich subventionieren für einige wenige, sondern wir wollen eine neue Technologie einführen. Und darum ist die Anpassung der Vergütung an den Markt wichtig, weil wir die Kosten im Griff behalten müssen."
Doch hinter den Kürzungsplänen des Ministers lauern in Wahrheit schon die nächsten Kostenfallen für die Verbraucher: Selbst wenn ab Mitte des Jahres die Hausbesitzer weniger Geld dafür bezahlt bekommen, dass sie Solarstrom ins Netz einspeisen. Sie können dann einfach den Hebel umlegen. Denn wer Solarstrom von seiner neuen Anlage selbst verbraucht, bekommt dafür noch einen extra Zuschuss oben drauf bezahlt. Die Zauberformel heißt "Förderung des Eigenverbrauchs":
Für jede selbst verbrauchte Kilowattstunde Solarstrom spart sich der Anlagenbesitzer die üblichen Stromkosten von rund 20 Cent. Und bekommt dafür nochmal rund 20 Cent oben drauf bezahlt - die müssen ihm alle anderen Stromverbraucher zahlen. Macht insgesamt rund 40 Cent pro Kilowattstunde bei einer durchschnittlichen Anlage.
Philippe Welter, Solarexperte, Photon-Verlag: "Die aktuelle Novelle suggeriert, dass der Verbraucher, der Stromkunde von Kosten entlastet werden soll. Tatsächlich ist es aber so, dass in dem Gesetz ein Schlupfloch existiert: Durch die Hintertüre wird der Eigenverbrauch, die Förderung des Eigenverbrauchs eingebaut, statt rund 30 Cent bekommt dann der Anlagenbetreiber 40 Cent pro Kilowattstunde. Das heißt, seine Rendite steigt sogar."
report MÜNCHEN: "Hat sich da die Solarlobby durchgesetzt?"
Philippe Welter: "Zu 100 Prozent."
Die Solarbranche bewirbt jetzt schon den "Trick mit dem Eigenverbrauch" und freut sich, dass der Gesetzgeber "ein Schlupfloch" gelassen hat. Wir fragen nach, beim Solarunternehmen Geckologic.
report MÜNCHEN: "Es heißt doch auch, dass man mit dem Schlupfloch Eigenverbrauch ähnliche, wenn nicht sogar eine höhere Rendite machen kann?"
Michael Stollwerk: "Das ist durchaus richtig."
report MÜNCHEN: "Und je mehr die Strompreise steigen, und das ist ja der Fall, sogar noch mehr."
Michael Stollwerk: "Das ist vollkommen richtig. Und wir sind die ersten, die es kommunizieren, weil wir immer gerne die Nase vorn haben. Wir sind Geckos, Geckos sind extrem anpassungsfähig in der Natur, das ist unser Symboltier und insofern haben wir da ganz schnell drauf reagiert."
Besonders profitieren von dieser Eigenverbrauchsregelung der schwarz-gelben Regierung werden ausgerechnet die Stromfresser. Zum Beispiel Hotelbetriebe. Das bestätigt uns Hotelier Udo Kaltenbach, der im schönen Schwarzwald ein Wellnesshotel betreibt.
Udo Kaltenbach, Hotelchef: "Ich denke, dass sich das auch in der jetzigen Regelung, also mit der Eigenverbrauchsregelung auch lohnen würde für Hoteliers, da der Stromverbrauch ja doch relativ hoch ist, wenn sie einen Wellness-Bereich dazu rechnen."
report MÜNCHEN: "Aber das ist natürlich auf Kosten der Allgemeinheit, muss man schon ehrlicherweise sagen."
Udo Kaltenbach: "Muss man ehrlicherweise sagen, aber es hat ja jeder die Möglichkeit, das zu machen - wer es nicht tut, ist selber schuld."
Die Solarrenditeparty geht also ungebremst weiter. Und während die Branche gegen Subventionskürzungen demonstriert und mit dem Verlust von Arbeitsplätzen droht, verrät uns im Bauernblatt die Solarlobby, wie gut es ihr in Wahrheit geht, Zitat: "Alle namhaften Hersteller bauen mit Wirkung zum zweiten Halbjahr ihre Produktion aus, und auch bei den Installateuren wird zusätzliches Personal eingearbeitet." Gezeichnet: "Bundesverband Solarwirtschaft"
Kritischen Fragen von report MÜNCHEN weichen Spitzenpolitiker gerne aus. Anders der Bundesumweltminister. Er stellt sich der Kritik an seinen Vorschlägen zum Eigenverbrauch und an den hohen Solarsubventionen, die alle Stromkunden schon seit Jahren zahlen müssen.
report MÜNCHEN: "Das müssen alle bezahlen. Das müssen die Verbraucher zahlen: Zehn Milliarden allein für die Anlagen im letzten Jahr - mehr als Ihr Etat je wäre, könnten Sie nie bezahlen."
Norberg Röttgen: "Nein, das ist ein Teil eines gesamten Konzeptes, das im übrigen aus einer deutlichen Zurückführung der Förderung besteht. Dagegen gibt es ja auch die Kritik, dass es eine zu starke Zurückführung ist."
Holger Krawinkel, Bundesverband Verbraucherzentralen: "Die Eigenbedarfsvergütung ist ein geschickter Schachzug der Solarbranche. Man tut so als würden dadurch die Belastungen der Verbraucher geringer werden, tatsächlich treten sie aber nur an anderer Stelle wieder auf. Das ist ein bisschen wie rechte Tasche, linke Tasche."
Gerade die Sozialschwachen wie Rentner Erwin Dilg spüren das immer deutlicher. Warum sollen sie die Renditen der Solarwirtschaft aufpolieren?