Panos Paganis ist Bauer aus Leidenschaft. Seit Generationen ist seine Familie im Olivengeschäft. Von seinem Vater hat er gelernt, wie man im Frühjahr die Bäume schneidet, damit sie einen möglichst hohen Ertrag bringen. Steuern bezahlen die Paganis nicht. Das haben sie noch nie getan, wie fast alle Bauern in Griechenland
Panos Paganis, Olivenbauer:
"Sicherlich sollten auch wir etwas Steuern bezahlen, denn schließlich haben auch wir unser Einkommen. Wenn man keine Steuern bezahlt, bekommt man auch nur schwer Kredite, wenn man sie braucht - denn man kann ja kein Einkommen nachweisen."
Eine eher pragmatische Sicht! Griechenlands Olivenbauern bekommen rund einen Euro Subvention pro Liter. Eigentlich ist dieses Geld für Investitionen gedacht doch das meiste wurde immer privat verbraucht. Fast jeder Bauer, so erzählt man uns jedoch nicht vor der Kamera, hat schon mal tiefer in den Subventionstopf gegriffen, als er durfte. Ein Bauer, der nicht vor der Kamera sprechen möchte, erklärt, wie man an mehr Subventionen kommt.
"Du tust dich einfach mit dem Besitzer der Olivenmühle zusammen. Du bringst ihm deine Ernte und er presst daraus - sagen wir - 2.000 Liter Olivenöl. Doch der Müller schreibt einfach 1.000 oder 2.000 Liter mehr auf den Beleg, den du bei der Behörde einreichst. So verdienst du das Doppelte an Geld - bei halber Produktion."
Kaum Kontrollen
Kontrollen gab es bisher übrigens nicht - Athen und Brüssel sind ja auch weit weg. Wir sind im Süden der Halbinsel Peloponnes. Hier leben viele Menschen von der Landwirtschaft, von der Fischerei und vom Tourismus. Die größte Stadt der Region ist Kalamata.
Georgia Dionysopoulou macht Frühstück für ihre Familie. Danach geht sie zur Arbeit - aufs Finanzamt. Sie soll Steuern eintreiben - Geld in den leeren Staatssäckel bringen. Auf der anderen Seite hat der Staat rigorose Sparmaßnahmen beschlossen, spart kräftig bei seinen Beamten. Georgia bekommt ab April zehn bis zwölf Prozent weniger Gehalt. Nicht gerade motivierend meint sie.
Wir wollten sie zur Arbeit begleiten. Doch die bereits erteilte Drehgenehmigung wurde wieder zurückgezogen. Das Finanzamt, so sagen viele, gleicht einem aufgeblähten und ineffektiven Staatsapparat. Von den 80 Beamten beschäftigen sich nur fünf oder sechs mit Steuererklärungen. Dabei gäbe es für sie doch so viel zu tun.
Besserung durch Belegesammeln?
Georgia Dionysopoulou, Finanzbeamte:
"Es finden einfach zu wenige gezielte Kontrollen statt. Man sollte mehr Firmen kontrollieren, bei denen man schon auf den ersten Blick sieht, dass sie Steuern hinterziehen."
Der Druck auf Griechenland ist groß. Der Staat muss handeln, hat viele Maßnahmen ergriffen, um den Haushalt zu sanieren. Aber wie erzieht man die Bürger zu Steuerehrlichkeit?
Auch Olivenbauer Paganis sammelt jetzt eifrig Rechnungen, wenn er zum Beispiel zum Tanken fährt. Sogar im Restaurant gibt's jetzt Quittungen und auch am Kiosk. Was er mit den Belegen machen soll, weiß er allerdings noch nicht so ganz genau.
Die Taxifahrer sollen im kommenden Jahr nach Umsatz besteuert werden, nicht wie bisher pauschal und niedrig. Dann werden alle höhere Steuern zahlen müssen, befürchtet er.
Alle sammeln nun fleißig Belege und finden schon, dass der Staat etwas tun muss, aber bitte nicht bei mir anfangen.
In einem Café wird uns gesagt:
"Was der Staat macht, ist doch nicht fair. Jetzt bezahlen wieder die Armen. Wir können doch nichts für die hohen Staatsschulden.
Wir fragen, wer denn verantwortlich sei für die Misere in Griechenland?
"Die Politiker sind die Schuldigen hier."
Generation 700 Euro
Das griechische Dilemma als Komödie: Die Schüler und Studenten des experimentellen Theaters Kalamata proben ein Stück aus der griechischen Antike: Plutos, der Gott des Wohlstands kämpft gegen Pen'ia, die Göttin der Armut. Übertragen: Korruption gegen Wahrhaftigkeit.
Ihnen ist klar, dass sie längst von der Wirklichkeit eingeholt wurden. Was in Deutschland die Generation Praktikum ist, heißt in Griechenland "Generation 700 Euro." Der Frust sitzt tief bei den Jungen.
"Bei der momentanen wirtschaftlichen Lage kann ich nicht viel erwarten. Wenn ich mal einen Job bekomme und 700 Euro verdiene kann ich schon zufrieden sein."
"Wenn die Leute erst mit 70 in Rente gehen - wie soll es da Jobs für uns Junge geben, wie soll die Arbeitslosigkeit sinken? Erst wenn die Menschen komplett umdenken, haben Opfer überhaupt einen Sinn."
"Die junge Generation war schon immer romantisch genug, um die Welt verändern zu wollen. Das wollten wir ja auch. Aber bei der jetzigen Lage haben wir diese Träume eher nicht mehr."
Keine Angst vor der Zukunft hat Achilles Constantakopoulos. Der umtriebige Reedersohn hat in der Region rund 700 Millionen Euro investiert, quasi eine ganze Bucht gekauft. Ein Golfressort mit mehreren Hotels und allem Drum und Dran wird jetzt im Mai öffnen.
Ein zweites Ressort soll ab 2013 vermarktet werden. Insgesamt arbeiten 2.000 Menschen auf seinen Baustellen und in seinen Projekten. Die Steuerehrlichkeit, die die griechische Regierung von ihren Bürgern fordert, muss sie auch von den großen Unternehmen fordern. Denn gerade die Konzerne haben in der Vergangenheit groß abgesahnt - an der Staatskasse vorbei verdient.
Achilles Constantakopoulous, Unternehmer:
"In Griechenland, und das ist die gute Nachricht, gibt es viel, viel Raum für Verbesserungen. Und ich denke, alle haben das verstanden. Ich glaube, dass es bald wieder aufwärts gehen wird im Land, denn sonst hätten wir nicht all unser Geld hier investiert."
Seinen Optimismus kann das Land an der Ägäis gebrauchen. Vor allem braucht es die Steuerehrlichkeit aller Bürger, ob Großverdiener oder Taxifahrer, um aus der Schuldenfalle wieder herauszukommen.