Umfrage:
Schweizer: "Wir fühlen uns vielleicht ein bisschen unterlegen und deshalb entwickelt sich dann auch innerlich vielleicht eine gewisse Aggression."
Deutsche: "Man wird wirklich hier oftmals auf "Nazi" reduziert. Also das stimmt, ich übertreibe jetzt gar nicht. Sie werden, wenn sie irgendwo im Schwimmbad sind und sie nehmen jemandem den Platz weg, dann sagt man eben 'blöder Nazi'."
Die Schweizer sind nicht zimperlich, das weiß man im Ausland spätestens seit dem erfolgreichen Volksbegehren gegen Minarette.
report Video: "Das Boot ist voll": Was Deutsche in der Schweiz erleben. Nach dem Minarettverbot macht die Schweizer Volkspartei mobil gegen Deutschland und schürt alte Ängste der Schweizer vor deutscher Übermacht. Einwanderer haben dort zur Zeit wenig zu lachen und werden teils massiv in anonymen Briefen bedroht. report MÜNCHEN beobachtet die hitzige Debatte in der Schweiz aus nächster Nähe.
Besuch in der Züricher Wahlkampfzentrale der Schweizer Volkspartei. Nach der Minarett-Kampagne sucht die stärkste Schweizer Partei neue Opfer. Exklusiv zeigt uns der Parteisekretär die Plakate der neuesten Kampagne. Die SVP nimmt deutsche Einwanderer ins Visier.
Yves Gadient, SVP, Parteisekretär Kanton Zürich: "Die Leute merken, dass etwas nicht stimmt mit unserer Einwanderungspolitik oder respektive Ausländerpolitik."
report MÜNCHEN: "Also, Deutsche müssten Íhrer Meinung nach klar begrenzt werden hier?"
Yves Gadient, SVP: "Das ist eine Lösung von vielen."
Solche Plakate also hängen ab dieser Woche in ganz Zürich. Und eine an Populismus kaum zu überbietende Anzeige gegen zu viele deutsche Professoren an der Uni Zürich wurde bereits veröffentlicht.
Dabei stehen die Deutschen, die hier leben schon jetzt häufig enorm unter Druck.
Diese Frau hat die geballte Fremdenfeindlichkeit gegen Deutsche zu spüren bekommen. Dabei lebt und arbeitet sie bereits seit 30 Jahren in der Schweiz. Vor kurzem bekam sie einen Brief, der sie jetzt noch erschüttert.
"Die Kugel für dich ist schon bereit du dreckige deutsche" und weiter: "Ich jage Dir eine Kugel in den rücken, du elende deutsche brut, wenn du die Schweiz nicht bis in 4 monaten verlassen hast."
Marion B.: "Wenn ich davon spreche, oder angesprochen werde, darüber erzähle, dann fang ich an zu zittern und dieses Zittern bekomme ich dann nicht in den Griff."
Und jetzt, wo die Deutschlandfeindlichkeit auch noch offen Wahlkampfthema ist, fürchtet sie, dass sich der Drohbriefschreiber bestätigt fühlen könnte.
Marion B.: "Ich bin wütend auf eine SVP, dass sie so locker entspannt mit diesem Thema umgeht und sich anscheinend nicht bewusst ist, was sie damit auslösen kann."
Im ehrwürdigen Schweizer Bundeshaus in Bern stellt die SVP die größte Fraktion. Wir treffen Nationalrat Hans Fehr. Er ist einer der Scharfmacher in der populistischen Volkspartei.
Hans Fehr, SVP, Nationalrat: "Wir werden quasi von einem Teil der Deutschen überrollt, die sind einfach verdammt intelligent und quirlig und die drücken die Löhne und die Gefahr kommt vom Sozialkuchen."
Eine, die die Schweizer angeblich überrollt, ist Alena Gerber.
Das Model aus München wurde vom Schweizer Internet-Sender usgang.tv nach Zürich geholt. Sie moderiert eine Promi Sendung und redet vor der Kamera Hochdeutsch.
Und das gefällt der SVP und insbesondere Nationalrat Hans Fehr überhaupt nicht.
Alena Gerber, Internet-Moderatorin: "Politiker haben sich geäußert, dass es genug Schweizer Moderatorinnen gibt und ich soll entweder auf Schweizerdeutsch moderieren oder das Land verlassen. Beziehungsweise nicht mal auf Schweizerdeutsch moderieren, man akzeptiert eigentlich gar nicht deutsch."
Hans Fehr, SVP, Nationalrat: "Sie war der Aufhänger, um das ganze Problem auszubreiten. Das Problem ist mitnichten Alena Gerber, das Problem ist die Personenfreizügigkeit. Die ist für die attraktive Schweiz sehr gefährlich."
Gefährlich wurde es vor allem für sie: Die deutsche Radiomoderatorin Katrin Wilde hat zu spüren bekommen, was es heißen kann, als Deutsche in der Schweiz zu arbeiten.
Erst kamen Schmäh-E-Mails in die Redaktion. Dann wurde die Fensterscheibe ihres Autos eingeschlagen, Bekennerschreiben inklusive. "fegt ihn weg den Deutschen Dreck!" Und: "Die deutsche Moderatorin hat 2 Wochen Zeit, die Schweiz zu verlassen! ansonsten wird sie die Konsequenzen zu spüren bekommen und zwar körperlich."
Katrin Wilde, Radio-Moderatorin: "Dann hat sich natürlich auch jeder Sorgen gemacht. Also, dann sitzt der Freund zu Hause und die Oma und die Eltern, die rufen dann 1.000 Mal am Tag an, das ist dann halt nicht so schön. Und man macht sich selbst natürlich Gedanken, wenn man abends mit dem Hund spazieren gehen muss. Ich bin Anfang 20, da fühlt man sich alleine überhaupt nicht mehr sicher."
Katrin Wilde hat die Konsequenzen gezogen und die Schweiz verlassen. Heute arbeitet sie beim Saarländischen Rundfunk.
Katrin Wilde, Radio-Moderatorin: "Ich wollte halt definitiv nicht mehr in so einem Krimi die Hauptrolle sein."
Die Züricher Stadtpolizei nimmt die Drohbriefe gegen Deutsche sehr ernst. Der Polizeisprecher warnt davor, das Problem zu bagatellisieren und bittet die betroffenen Deutschen um Mithilfe.
Marco Cortesi, Pressesprecher Stadtpolizei Zürich: "Wir haben jetzt in diesem speziellen Fall rund zehn ähnliche oder gleichgelagerte Fälle und es ist gut möglich, dass da noch mehrere ähnliche Briefe in Umlauf sind und wir keine Ahnung davon haben und darum dann auch das Maschennetz nicht enger schnallen können."
So ernst wie bei der Polizei nimmt man das Problem bei der Schweizer Volkspartei freilich nicht. Im Gegenteil.
Yves Gadient, SVP, Parteisekretär Kanton Zürich: "Politische Kommunikation ist im besten Fall immer eine Kommunikation, die zu Emotionen führt. Wenn Emotion entsteht, dann entsteht auch eine Abbildung in den Medien."
report MÜCHEN: "Vielleicht Fremdenhass?"
Yves Gadient, SVP: "Das ist eine mögliche Emotion."
report MÜNCHEN: "Die Sie in Kauf nehmen?"
Yves Gadient, SVP: "Überhaupt nicht."
report MÜNCHEN: "Doch, nehmen Sie doch, wenn Sie sagen, das ist eine mögliche Emotion."
Yves Gadient, SVP: "Fremdenhass ist keine übliche Reaktion in der Schweizer Kultur."
Nicht überall in der Schweiz wird so gedankenlos diskutiert.
Bei der Podiumsdiskussion des Züricher Tagesanzeigers ist man sich sehr wohl bewusst, dass die SVP-Kampagne negative Folgen haben könnte. Vor allem fürchtet man hier ein schlechtes Image.
Klaus J. Stöhlker, PR-Berater: "Im Ausland geht der Ruf kaputt, jetzt wo Haider nicht mehr da ist, rücken wir im Ausland an die Stelle von Haider rein und das gefällt mir ehrlich nicht."
Was bleibt ist ein gewisses Unbehagen. Auch bei den anwesenden Schweizern. Und bei den Deutschen sowieso.