m "Themba" spielt er den Trainer einer Nachwuchsmannschaft, der das Talent eines südafrikanischen Dorfjungen erkennt.
Themba ist seit einer Vergewaltigung HIV-positiv und der Fußball gibt ihm die Kraft, sich der Krankheit zu stellen und seine Selbstachtung wieder zu finden. Und so rüttelt die deutsch-südafrikanische Koproduktion pünktlich zur WM an mehreren großen Tabus in Südafrika: Einem Land, in dem Aidskranke trotz der extrem hohen Infektionsrate noch immer ausgegrenzt werden und das auch bei den Vergewaltigungszahlen weit oben rangiert.
ttt hat mit der Regisseurin Stefanie Sycholt darüber gesprochen, wie wichtig es wäre, dass gerade prominente Sportler sich endlich zu ihrer Krankheit bekennen.
Text des Beitrags:
Alle Jungs in seinem Dorf an der Küste Südafrikas sind fußballbegeistert. Aber keiner zaubert mit dem Ball wie Themba, ein Ausnahmetalent - in einem der ärmsten Winkel der Welt. Als Jugendlicher hat er das Glück entdeckt zu werden - von einem, der uns verdammt bekannt vorkommt. Der ehemalige Nationaltorwart Jens Lehmann in seiner ersten Schauspielrolle.
die deutsche Fassung synchronisiert er selbst. Für Themba wird es der Traumjob, doch - was sein Entdecker noch nicht weiß - Themba ist HIV-positiv.
Kinder mit Aids. Für die engagiert sich Jens Lehmann schon lange und ließ sich deshalb auf die Herausforderung Spielfilm ein.
Jens Lehmann: „Der Beruf des Schauspielers, so wie ich ihn jetzt im sehr, sehr Kleinen kennen gelernt habe, ist nicht zu unterschätzen, weil er mit sehr viel Warten und Nichtstun verbunden ist und immer wieder probieren, ob es nicht noch eine bessere Einstellung gibt.“
Aber es war ihm wichtig, dabei zu sein. Denn auch die deutschstämmigen Regisseurin Stefanie Sycholt aus Südafrika kämpft dafür, dass Aids hier kein Tabuthema bleibt –insbesondere in der scheinbar heilen Welt des Fußballs.
Stefanie Sycholt, Regisseurin: „Ich meine, Fußball wird immer assoziiert mit Sport, mit Gesundsein und Power. Und Aids und HIV ist krank und schwach. Man bringt das nicht zusammen. Tatsache ist, es gibt viele Fußballer in Südafrika, die HIV positiv sind.“
Das betrifft eben schon Kinder. Und Thembas Mutter, die ebenfalls Aids hat, stirbt fast, weil sie sich schämt, zum Arzt zu gehen. Scham und Schweigen - für Themba ist gerade das fast noch unerträglicher als die Krankheit selbst. Auch er verleugnet den Virus: Thembas Stiefvater Luthando - wie viele Südafrikaner. Themba ist wütend auf Männer wie ihn. Von ihm, seinem Stiefvater, wurde er mit Aids infiziert, weil der ihn vergewaltigt hatte - in dem Glauben an den Mythos: Sex mit Unberührten heile die Krankheit. Für Themba ist es das Ende seiner Kindheit. Auch die hohe Vergewaltigungsrate ist tabu in Südafrika. Der weltbekannte Darsteller Patrick Mofokeng sträubte sich lange, die Vergewaltiger-Rolle zu spielen.
Stefanie Sycholt: „Ich habe ihn angefleht und gesagt, das kann doch nicht sein, dass du jetzt verlangst, dass ich einen Schauspieler aus einem anderen Land nehme für so etwas. Da hat er gesagt: ‚Das stimmt, man muss dagegen etwas sagen und tun, und wenn man daran glaubt, dann muss ich das auch spielen‘. Es war aber hart für ihn. Er sagte, es sei das Härteste, was er je spielen musste.“
Als Themba kometenhaft zum Nationalspieler aufsteigt, spricht er auf einer Pressekonferenz, die zum Höhepunkt des Films wird: „Ich bin HIV-positiv. Wieso sollte ich mich dafür schämen? Ich muss mich nicht schämen, dass ich vergewaltigt worden bin. Ich habe das nicht gewollt. Ich war damals klein.“
Stefanie Sycholt: „Das gab es übrigens noch nie. Es gab noch nie einen Fußballer in Südafrika, der sich dazu bekannt hat. Und es ist schon klar, dass einige schon daran gestorben sind. Es wäre natürlich einfacher, wenn Leute sich dazu bekennen würden, weil es einfach ein Vorbild wäre für Jugendliche, wie sie besser damit umgehen.“
Der Zauber des Fußballs. Er kann selbst dem südafrikanischen Aids-Drama etwas von seiner Schwere nehmen. Das zeigt der Film „Themba“, der nichts beschönigt, aber Hoffnung macht.