Er ist eine lebende Jazz-Legende, hat die Musik revolutioniert und nun hat er sich zu seinem 70. Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk gemacht: Herbie Hancock ist um die Welt gereist, hat in allen Erdteilen Musiker getroffen und mit ihnen zusammen ein einzigartiges Musik- und Filmprojekt auf di
e Beine gestellt: „The Imagine Project“. Als Grundlage hat sich Hancock John Lennons Klassiker „Imagine“ ausgesucht. Er selbst gibt am Klavier die Grundmelodie vor, jeder Künstler bringt seinen eigenen kulturellen Hintergrund mit ein – zusammen ergibt das ein einzigartiges Projekt. Amerikanische Superstars wie Pink und Seal treffen auf afrikanische Musiker wie Oumou Sangaré oder die indische Sitarspielerin Anuschka Shankar. „Wir haben so viele Probleme auf der Welt“, sagt Hancock, „eine Kultur alleine kann damit gar nicht fertig werden. Daher wollte ich ein Zeichen setzen und die Kulturen zusammenbringen.“
In ttt erzählt Herbie Hancock von seinem Projekt, das er die „aufwändigste Platte“ nennt, die die er jemals aufgenommen hat.
Text des Beitrags:
Wenn Herbie Hancock ruft, kommen sie gerne. Pop-Größen wie Seal und Pink. Einmal klassisch, einmal improvisiert: So klingt es, wenn sich der Altmeister des Jazz „Imagine“ von John Lennon vornimmt. Und dazu noch mehr als 20 internationale Stars einlädt, die ihren ganz eigenen Stil mitbringen.
Herbie Hancock hat sein „Imagine Project“ von vornherein als Gemeinschaftsarbeit angelegt. Mit mehr als 20 Künstlern ist er in aller Welt ins Studio gegangen, um zehn Coversongs von bekannten Liedern aufzunehmen. Mit dabei auch andere große Namen wie Latino-Star Juanes, der hier den Rhythmus vorgibt. Eine Art musikalische Globalisierung? Hancock will sein Projekt nicht überhöhen, eher als Anregung verstehen.
Herbie Hancock: „Neue Ideen entstehen nur im Dialog. Wenn man sich vor fremden Kulturen verschließt, beraubt man sich der Möglichkeit neue Lösungswege für Probleme zu entdecken.“
Auch zu Ravi Shankar ist Hancock gereist, nach Mumbay. Shankar ist in Indien ein Superstar, betreibt eine eigene Musikakademie. Hancock hat alle Künstler vor Ort besucht. So hat er viel mehr über diese erfahren, als alleine in der cleanen, sterilen Atmosphäre von Musikstudios.
Herbie Hancock: „Mir ist wichtig, so viel wie möglich von der jeweiligen Kultur mitzubekommen. Und wenn ich dort bin, dann sauge ich die Kultur mit allen Sinnen in mich auf.“
Offen und neugierig, so war er immer. Herbie Hancock, Sohn eines Gemüsehändlers aus Chicago, wollte eigentlich Maschinenbau studieren. Aber dann entdeckte er seine Liebe zum Jazz. Bereits mit 22 Jahren schrieb er seinen ersten Welthit: „Watermelon Man“ und wurde prompt von einem der größten Jazztrompeter engagiert – von Miles Davis.
In den 80ern dann ein radikaler Stilwandel. Mit seinem Hit „Rockit“ revolutionierte Hancock die elektronische Popmusik. Ist Hancock mit seinen 70 Jahren nun endgültig zum Rocker geworden? Fast hat es den Anschein, so wie er mit Susan Tedeschi und Derek Trucks rockt. Insgesamt zeigt Hancock hier, dass er alle Stile beherrscht.
Herbie Hancock: „Alles, was ich wollte, ist Musik machen. Da hat es mich nicht gekümmert, was das jetzt gerade für ein Genre ist. Mir war nur wichtig, dass unterschiedliche Musikrichtungen vertreten sind.“
Und das zusammenzubringen, das kann wohl keiner besser als der legendäre Herbie Hancock.