rasse erschossen haben.
Kurz vorher sind Gangmitglieder der Bandidos in Duisburg angekommen. 600 Polizeibeamte trennen beide Gruppen, schützen das Gericht. Hochspannung herrscht, denn fast täglich gibt es neue Meldungen über Gewalttaten aus der Rockerszene. Ein blutiger Kampf um die Vorherrschaft auf der Strasse tobt in Deutschland
reportVideo: Bewaffnet bis an die Zähne: Deutschlands Rocker außer KontrolleVor kurzem erschoss bei Koblenz ein Rocker einen Polizeibeamten. Dann stellte sich heraus: der Täter besaß eine Waffenbesitzkarte. Beängstigende Recherchen von report MÜNCHEN belegen: Zahlreiche Rocker sind Waffenbesitzer.
Jürgen Roth, Autor: "Gefährlich sind sie deswegen, weil sie in bestimmten Kriminalitätsbereichen mit allen Möglichkeiten der Gewalt gegen Konkurrenten vorgehen, gegen kriminelle Konkurrenten. Sie sind hemmungslos."
Und die Gewalt kennt keine Grenzen. Letzten Donnerstag: Trauerfeier für eine ermordeten Polizisten. Über 1.000 Beamte aus ganz Deutschland sind nach Frankfurt/Hahn gekommen. Manuel K., ein erfahrene Polizist war am 15. März bei einem Einsatz von einem Mitglied der Hells Angels brutal und ohne Warnung erschossen worden
Er hat keine Chance. Als er den verdächtigen Hell Angel Boss festnehmen wollte, eröffnet dieser sofort das Feuer. Mit einer großkalibrigen, registrierten und legal erworbenen Waffe, Kaliber 45.
Der Schütze ist Mitglied in einem Bonner Hells Angels Chapter. Eine Waffenlizenz hat er als Sportschütze. Immer mehr Rocker besitzen auch legal Waffen. Das LKA Nordrhein-Westfalen hatte - alarmiert durch die Bandenkämpfe zwischen den rivalisierenden Rockergangs - bereits im Dezember angeordnet, alle Rocker auf angemeldete Waffen zu überprüfen. Es sei, so das LKA: "zwingend erforderlich, gewonnen Erkenntnisse zu den Rockergruppierungen zuzurechnenden Personen abzugleichen"
Doch das Innenministerium pfeift seine Beamten aus Datenschutzgründen zurück. Am 9. Dezember ordnet der Innenminister an, die Verordnung mit sofortiger Wirkung aufzuheben und sämtliche in Ausführung dieser Verfügung erhobene Daten unverzüglich löschen.
Alle Daten werden gelöscht. Datenschutz contra öffentliche Sicherheit. Viele in der Polizei fühlen sich durch die Streitereien zwischen LKA und Ministerium im Stich gelassen.
Klaus Jansen, BDK: "Ich glaube, dass aus dem Innenministerium der Polizei übel mitgespielt worden ist, weil man wissen musste, dass so Waffen bei Personen bleiben, die wir als Kripo als gefährlich einstufen - und dass darf so nicht sein."
Bundesweit gibt es keine einheitliche Regelung, wie mit Daten von Waffenbesitzern im Rockermilieu umgangen werden soll.
Joachim Hermann, Bayrischer Innenminister: "Wir überprüfen konsequent, diejenigen, von denen wir wissen, dass sie Rockerbanden angehören, ob sie etwa im Besitz legaler Waffenerlaubnisse sind. Wir haben diese Überprüfung durchgezogen, sind dabei zu einigen Treffern gekommen. Die entsprechenden Konsequenzen werden jetzt gezogen."
Das Innenministerium in Nordrhein Westfalen will trotz mehrer Anfragen erst einmal keine Stellung nehmen. Nur soviel: Man sammle wieder Daten. Auch Innenminister Ingo Wolf gibt sich heute wortkarg.
Jürgen Roth, Autor: "Es ist hochkarätige organisierte Kriminalität, die bisher immer verharmlost worden ist. Und sie ist auch eine Gefahr für die deutsche Bevölkerung, weil sie keine Rücksicht bei ihren militärischen Auseinandersetzungen nehmen, ob Unbeteiligte davon betroffen sind oder nicht."
Auch im Norden Deutschlands ist der Krieg zwischen Bandidos und Hells Angels in vollem Gang. In Neumünster wird offen um die Vorherrschaft gekämpft. Gefährlich ist vor allem, dass die beiden Großen immer mehr kleinere Gangs -wie Contras und Red Devils- für sich mobilisieren. Auch B0sse geraten ins Visier. In Kiel wird Mitte März das Haus eines Hells Angels Präsidenten beschossen. Der bleibt unverletzt, kündigt Vergeltung an. Offenbar ist den Gangs jedes Mittel recht.
Stefan Jung, LKA Schleswig-Holstein: "Wir müssen jederzeit damit rechnen, dass es zu weiteren Auseinandersetzungen kommt. Das ist auch eine gewisse Gefährlichkeit, die in diesen Gruppen steckt. Sie sind schnell in der Lage viele Kräfte zu mobilisieren. Nicht nur in Schleswig Holstein sondern auch aus den anderen Bundesländern und dem benachbarten Ausland."
Weiter nördlich in Flensburg. Ende Februar lauern hier Bandidos einen Hells Angel vor einem Imbiß auf, verletzt ihn schwer. Schon Wochen vorher hat die Polizei ein Waffenlager der Hells Angels ausgehoben. Maschinengewehre, Schrotflinten, Pistolen und Sprengstoff werden sichergestellt. In die Rockerreviere trauen sich Polizisten nur noch schwerbewaffnet.
Treffen mit dem zweiten Bürgermeister von Flensburg vor dem Hells Angels Hauptquartier. Jochen Barckmann spricht mit uns über die Rocker Hochburg an der Grenze zu Dänemark. Doch wir bleiben nicht lange allein. Man beobachtet und photographiert uns. Rocker mögen die Medien nicht. Barckmann und die Flensburger leiden unter dem Rockerkrieg.
Jochen Barkmann, Bürgermeister Flensburg: "Die Schlagzeilen der letzten Monate waren größere Waffenfunde hier, ein Tötungsdelikt auf der Autobahn, und auch ein Angriff auf einen Menschen hier in der Stadt mit Äxten, also Gewalttaten in der Stadt, die uns schon Sorge bereiten."
Jürgen Roth warnt in seinem neuen Buch vor dieser Entwicklung. Vor allem die internationale Zusammenarbeit macht ihm Sorge.
Jürgen Roth, Autor: "Das sind hochsensible kriminelle Geflechte, wo die nationalen und internationalen Chapter eng zusammenarbeiten, das ist bei Geldwäsche, im Drogenhandel, bei Mordaufträgen, in allen Bereichen so. Und diese internationale Vernetzung, das ist eines dieser großen Bedrohungspotentiale, dieser Outlaw-Motorgangs."
Der Rockerkrieg in Deutschland wird durch eigene Gesetze bestimmt. Gut vernetzt nach außen - nach innen ein Schweigegelübte. Nun prüft eine länderübergreifende Arbeitsgruppe ein bundesweites Verbot aller Rockergruppen.