Seit einiger Zeit sind sie überall in den heruntergekommenen Vorstädten Englands: Und sie verbreiten Angst. Kampfhunde, die schon längst mehr als ein Statussymbol sind. Hunde, die jetzt als scharfe Waffen eingesetzt werden von Kleinkriminellen, Gangs, Drogendealern, und - aber auch
„Wenn ihr hier länger wärt, würdet ihr sehen, dass jede Frau mit Kinderwagen hier einen Kampfhund hat. Die brauchen den. Sonst wirst Du hier zum Opfer. Du bist besser clever hier draußen und schützt Dich wenn Du kein Opfer sein willst.“ Aber Opfer sind zunehmend auch die anderen. Viktoria Fairbrother wurde hier am helllichten Tag von einem Kampfhund angefallen. Eine der wenigen, die den Mut hatte, das der Polizei zu melden. „Aber es kommt immer noch totale Angst hoch, wenn ich hier bin. Wie der Hund auf mich zustürzt, ich rückwärts gehe, falle und mich zu schützen versuche, vor allem mein Gesicht. Aber mein Ohr schaute raus.“ Der Hund biss zu immer wieder, riss ihr das linke Ohr ab, Das, was ihr aber bis heute Albträume macht, war die Reaktion des Besitzers: Als er sah, wie mein Ohr herunterhing, triumphierte er.Er triumphierte. Ihm gefiel, was er sah. Keinen Horror, kein kann ich Ihnen helfen. Nichts von alldem. Nein - Der Hund hatte seinen Job gemacht. ..“ Und sie werden immer mehr, die DevilDogs wie sie hier heißen. Die Teufelshunde. Von ihren Besitzern rücksichtslos auf Aggression und Gewalt trainiert, willkürlich scharf gemacht, ist ihr Verhalten vollkommen unberechenbar. Plumstead Südlondon. Als wir ankommen, war gerade der Krankenwagen da. Und darauf ist man stolz hier. So wie auf die Hunde. „Ihr hättet hier vor ein paar Minuten sein sollen. Eine Frau wurde von einem unserer Hunde gebissen. Sie hat genervt. Wollte einen der Jungen zurückstoßen, und die haben die Hunde dann auf sie losgelassen: So was passiert hier dauernd. Er hier unserer, der kann echt ernsthaft Schaden anrichten.“ Statt zu helfen, haben sie die Szene vom Handy mitgedreht. Bis die Polizei kam. Paddys Hund ist der schärfste des Blocks. Paddy ist der Boss hier. „Du kannst hier nicht einfach die Strasse langgehen. Du musst oben am Anfang der Strasse warten, bis ich Dich abnicke. Wenn Du kein Ok von mir hast, gehst Du hier besser nicht lang oder du bist selbst schuld, für das, was dann passiert.“ Paddy nutzt seinen Hund nicht nur für sich selbst, wenn er mit Drogen unterwegs ist. Er verleiht ihn auch. „Aber nur gegen Geld. Wie das läuft: Leute, die ein Problem haben rufen mich an und für Geld komm ich dann rüber und lass den Hund von der Leine. Und dann ist das Problem gelöst. So oder so.“ „Mit dem Hund ist sofort klar, dass ich keinen Spaß mache. Sondern Business.“ Er ist so gut wie eine Knarre, nur dass ich mit ner Waffe im Knast landen würde. Der hier ist legal.“ Und die Stadt – sie patrouilliert. Eric ist seit einem Jahr unterwegs in Südlondon um die Hunde per Microchip zumindest identifizierbar zu machen. 2000 Kampfhunde hat er bereits registriert. Ein Pilotprojekt. „Wenn ich die Hunde registriere, ist das schon eine klare Warnung. So zeigen wir den Leuten, dass wir etwas dagegen unternehmen. – Und wenn sie sich weigern mitzumachen, dann haben wir das Recht, ihre Sozialwohnung räumen zu lassen. Oder können den Hund direkt einziehen.“ Vor Ort sind sie immer zu zweit. Heute treffen sie Adil, der sich freiwillig gemeldet hat, weil er schon seit einiger Zeit aus der Drogenszene ausgestiegen ist. Die Aktion selbst dauert gerade mal fünf Minuten. Mit dem Chip kann die Stadt später jederzeit den Besitzer identifizieren, sollte der Hund jemanden anfallen. Zurück bleibt ein Hundebesitzer, der dennoch nur wenig beeindruckt ist:“ „Das wird hier nichts ändern. Wenn Du das nicht willst, finden die dich nicht. So einfach ist das.“ Die wirklichen Bad Boys, die amüsierten sich eher über diesen hilflosen Versuch, die Szene in den Griff zu kriegen. Dave Courtney zum Beispiel, der sich in seiner Festung hier geradezu provokativ als Gangster inszeniert. Auf die englische Art natürlich. Hinreichend exzentrisch: „Für jeden Engländer ist sein Home sein Castle.. Und ich werde es verteidigen bis zum Tod.“ Ein cooler Typ. Bei ihm laufen die Fäden der Gegend zusammen. Er selbst ist offiziell zwar nicht mehr aktiv. Nach außen gibt es „the Firm“ „nicht mehr, seine Gang, deren Abzeichen der Schlagring ist. Aber er weßs besser als jeder andere, was hier läuft, auf den Strassen Südostlondons. „Natürlich bringt das nichts mit dem Mikrochip. Das ist genau das Gegenteil von dem was Du willst. Die züchten die, um zu töten. Damit die für dich in die Hölle gehen, wenn’s sein muss. Und wo er für dich kämpft und stirbt von mir aus. Und bis dahin passt er auf mein Haus auf, und auf meine Drogen, wenn ich nicht da bin. „Da geht doch niemand zur Polizei von uns und lässt den Chippen, das ist Zeitverschwendung, was die da machen“ “Die Lage hier hat sich so verändert. Mit nem Hund bekommst Du nun mal keine 15 Jahre, wenn er jemanden zerfetzt. Aber du bekommst drei Jahre schon dann, wenn du nur ein Messer in der Tasche hast. Ohne Hunde geht es nun mal nicht mehr. Das ist der komplette Wahnsinn, aber das ist wohin die Kultur hier sich nun mal entwickelt.“ Wir treffen Paddy noch einmal im Park, wo sie ihre Hunde trainieren. In einem ganz normalen Park, in dem Kinder und Menschen wie Victoria Fairbrother spazieren gehen. „Das ist, was wir mit ihnen machen. So lernen sie nicht einfach nur zuzubeißen, sondern die Knochen zu zerfleischen. Richtig Durchzubeißen.“ „Sobald er runter fällt, ist er drauf. Wenn Du das lange genug mit ihnen machst – dann sind sie bereit zu kämpfen, anzugreifen. Das ist das beste Training.“ „Früher habe ich alles vergessen, wenn ich spazieren ging. In der Natur, habe die Vögel singen gehört. Aber Du kannst das nicht mehr jetzt. Jetzt musst Du immer in Alarmbereitschaft sein. Immer.” Es sind nicht die Hunde – es sind ihre verwahrlosten Besitzer, die diese Vorstädte immer mehr zu einer rechtsfreien Zone werden lassen, in der sich viele nur noch bedroht und schutzlos und alle als Opfer fühlen. Und eine Lösung ist nicht in Sicht.