Jingle Bayern 3
Roman Röll, Bayern 3-Moderator: "Wir von Bayern 3 suchen zusammen mit report MÜNCHEN die Google Street View Autos. Wir sind uns sicher, heute fahren sie durch Bayern und ich bin mir sicher: Sie sehen jetzt gerade eines"
Anrufer bei Bayern 3: "Hallo hier ist der Flo aus Wienberg. Google Street View ist gestern bei uns durch die Straße gefahren."
Umfrage auf der Straße
report MÜNCHEN: "Wir suchen das Google Street View Auto. Haben sie es gesehen?"
Anwohner: "Nein."
Anwohnerin: "Doch das hab ich schon gesehen. Und zwar wenn man zurückfährt nach Allershausen."
report MÜNCHEN: "Haben Sie was gesehen?"
Anwohnerin: "Ja der ist vorbei gefahren."
Anwohner: "Ich hab nix gesehen."
Anwohnerin: "Doch."
report MÜNCHEN: "Wo ist es?"
Anwohner: "Das ist nach Allershausen rein gefahren."
reportVideo: Empörte Anwohner, entsetzte Datenschützer: Riesenstreit um Google Street ViewSeit Wochen fahren Kamerawägen der Internetfirma Google durch Deutschland. Jede Stadt, jedes Dorf, jeder Vorgarten soll gefilmt und dann ins Internet gestellt werden. Viele Menschen wollen sich das nicht gefallen lassen.
Big Brother Google, der Konzern entwickelt sich immer mehr zur Datenkrake. Neuestes Projekt in Deutschland: Google Street View.
Google fotografiert alle Straßen, alle Häuser, alle Gärten. Das Google Auto nimmt aus knapp drei Meter Höhe mit acht Kameras ungefähr alle 10 Sekunden 360 Grad Bilder auf. Niemand, der in dem Moment im Freien ist, kann sich Google entziehen.
Die Bilder sollen das Navigationssystem "google maps" ergänzen. Doch weil Street View eine Zoomfunktion hat, lassen sich peinliche Situationen zuhauf dort finden. Die Bilder werden auf andere Seiten hochgeladen. Dort bleiben sie, auch wenn sie von Google längst gelöscht sind. Street View ist in vielen Ländern verfügbar, in Deutschland stößt das Projekt zum ersten Mal auf massiven Widerstand.
Umfrage unter der Bevölkerung
Frau: "Ich wehre mich einfach, ich möchte mich schützen."
Frau: "Ich möchte mich nicht irgendwo im Internet sehen, wenn ich im Bikini im Garten liege oder irgendwo und zig Tausend Millionen Benutzer auf dieser Welt können mich hier beobachten."
Mann: "Ehrlich gesagt find ich das auch eine Riesensauerei, dass das einfach so praktiziert wird und das nicht da von Gesetzes wegen oder von der Regierung dem irgendwie ein Riegel vorgeschoben wird."
Jingle Bayern3
Roman Röll, B3 Moderator: "Wir sind auf der Suche nach dem Google Auto!"
Die Suche gestaltet sich extrem schwierig, trotz vieler Hinweise ist das Auto immer gerade weggefahren. Wo wir auch fragen, näher als fünf Minuten kommen wir dem Google Auto an diesem Tag nicht. Aber wir treffen Menschen die vermutlich fotografiert worden sind.
Anwohnerin: "Ich nehme an, dass er aufgenommen hat, weil er gefahren ist und diese Kamera da oben drauf war. Und dann hab ich extra weggeguckt, weil ich gedacht habe, na ja ich will aber nicht bei Google in diese Kamera kommen."
Deutsche Gesetze scheinen das Vorgehen von Google zu erlauben. Offensichtlich sind die Google Autos nicht zu stoppen, obwohl Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner ernsthafte Bedenken hat.
Ilse Aigner, CSU, Bundesministerin für Verbraucherschutz: "Es gilt die Frage zu klären, ob ein millionenfacher Datenmissbrauch hier sozusagen besteht. Das Datenschutz Gesetz ist aus einer Zeit, wo diese Frage sich überhaupt noch nicht gestellt hat, diese weltweite Vernetzung von Daten und deshalb werden wir dieses auch klären müssen."
Ilse Aigner prüft, Google fotografiert, Prof. Claus Köhler hat sein Urteil abgegeben. Im Auftrag des Donaukuriers hat er zusammen mit anderen namhaften Juristen ein Gutachten erstellt. Er sieht massive Verstöße gegen deutsches Recht.
Prof. Dr. Claus Köhler, Jurist: "Die Fälle, die wir beurteilt haben, sind klar: Die Menschen, die im Netz gezeigt werden, sind erkennbar, sind identifizierbar. Insofern ist das Recht am eigenen Bild verletzt, insofern ist selbstverständlich auch das allgemeine Persönlichkeitsrecht verletzt. Insofern sollte Google doch erwägen, vielleicht erstmal einen Schritt zurück zu gehen und etwas vorsichtiger zu sein. Im Hinblick auf die deutsche Rechtslage."
Street View ist in der Schweiz schon verfügbar. Personen werden automatisch anonymisiert. Doch die Software erkennt nicht alle Gesichter. Deswegen bleiben viele Personen unbearbeitet. Außerdem reiche die Unschärfe, die Google auf Gesichter lege, nicht aus, meinen Experten. Personen seien trotzdem erkennbar. Google aber beruft sich auf ein Gutachten der Universität Hannover, demnach ist das Projekt datenrechtlich unbedenklich.
Lena Wagner, Google Deutschland: "Also keine Technologie ist perfekt, das wissen Sie genauso wie ich. Wir versuchen natürlich diese Technologie zu verbessern."
report MÜNCHEN: "Sie sagen jetzt also, Sie anonymisieren nicht alle und es liegt an der Technologie aber es ist doch das Recht des Menschen dort nicht erkannt zu werden, oder? "
Lena Wagner, Google Deutschland: "Nein unser Anspruch ist natürlich, dass wir alle Menschen anonymisieren, aber wie gesagt es ist eine Technologie, die beste verfügbare die momentan auf dem Markt ist. Wenn dort mal ein Fehler vorkommen sollte, das heißt wenn ein Gesicht erkennbar ist oder ein Kennzeichnen nicht unkenntlich gemacht wurde, haben wir die Möglichkeit, dass jeder noch mal Einspruch einlegt."
Widerspruch einlegen, nachdem die Bilder öffentlich sind, das ist rechtlich bedenklich, besonders wenn es um Kinder geht. Auch die sind in Street View erkennbar, wie dieses Beispiel einer Schule aus der Schweiz zeigt.
Der Bürgermeister von Pfaffenhofen will deswegen Schulen und Kindergärten seiner Stadt bei Google löschen lassen.
Thomas Herker, SPD, Bürgermeister Pfaffenhofen: "Google ist ja einer der größten Datensammler weltweit, was mit den Daten geschieht, man sieht es ja mit einigen Unternehmen denen es nicht mehr so gut geht, dann geht man auch zum Datenverkauf. Andererseits eröffnet es auch die Möglichkeit, sich einfach nur ein Bild der Örtlichkeiten zu machen und da sind eben Schulen und Kindergärten ein sensibler Bereich."
Doch Google will dem Wunsch nicht entsprechen, Schulen und Kindergärten werden bei Street View gezeigt.
Lena Wagner, Google Deutschland: "Das sind wichtige informationen, die öffentlich sind, jeder zugänglich hat. Insofern werden die in Street View integriert werden."
Bayern 3 Jingle,
Roman Röll, Bayern 3: "Wir suchen die Google Street View Autos."
Zurück auf Bayerns Straßen, immer noch suchen wir nach dem Google Auto. Doch jetzt haben wir einen ganz heißen Tipp. Das Googlemobil ist in Sixthaselbach bei Moosburg an der Isar gesehen worden und tatsächlich nach zweitägiger Suche sehen wir das Ding, das Google Street View Auto zum ersten Mal.
Big Brother: Mit acht hoch auflösenden Kameras in zwei Meter 90 Höhe fotografiert es den kleinen Ort in jedem Winkel und schaut problemlos über Sichtschutzzäune in Gärten und durch Fenster auch in die Privatsphäre der Bewohner.
Umfrage unter der Bevölkerung
Mann: "Also ich finde es nicht in Ordnung, weil ich von mir aus aktiv werden muss, dass mein Bild, an dem ich ein Recht habe, dass es nicht veröffentlicht wird, wenn ich es nicht möchte."
Wir versuchen mit dem Fahrer des Google Autos Kontakt auf zu nehmen, doch der ist nicht sehr kommunikativ.
report MÜNCHEN: "Dürfen wir Ihnen eine kurze Frage stellen? report MÜNCHEN!"
Antwort: "Nein."
report MÜNCHEN: "Warum denn nicht? Aber filmen dürfen wir sie schon. Oder? Warum sollen wir sie nicht filmen, wenn sie uns filmen dürfen, bzw. fotografieren?"
Ja Google fotografiert alles will aber selbst anonym bleiben. Wir respektieren das. Street View soll ab Herbst für Deutschland empfangbar sein.
Im Namen aller Länder verhandelt der Hamburger Datenschutzbeauftragte mit Google. Richtig glücklich ist er nicht, denn Deutschland ist zum ganz großen Teil schon 2008 abfotografiert, die Rohdaten aber hat Google längst außer Landes in Sicherheit gebracht.
Prof. Johannes Caspar, Datenschutzbeauftragter Hamburg: "Wir haben eben das Problem gerade mit Google Street View, dass die Masse der Daten, bevor wir überhaupt wach geworden sind, nicht nur als Datenschutzbeauftragte, als Politiker, als Gesellschaft, da waren die Dinge schon in Kalifornien. Selbst wenn wir jetzt sagen würden, wir verbieten das, hätten wir wenig Möglichkeiten, das in der Tat zu vollziehen."
Da haben sie also geschlafen unsere Politiker und die Datenschützer. Wer vor dem Deutschlandstart im Herbst schon Widerspruch bei Google einlegen will, kann das im Internet oder aber auch postalisch tun. Google verspricht dann die Häuser unkenntlich zu machen. Ob der Konzern sein Versprechen hält, wird sich zeigen. Wir bleiben an der Sache dran.