Unvorstellbares Leid hat das Erdbeben über Chile gebracht. Viele verbrachten die erste Nacht im Freien. Mindestens zwei Millionen Menschen sind betroffen. „Klar, ist es nicht gut, so zu schlafen, aber was sollen wir machen. Unser Haus ist zerstört, Wände sind weg. Wir haben
Angst vor Nachbeben und so haben wir uns entschieden, hier zu schlafen.“
Der Tsunami nach dem Beben
Erst nach und nach wird das ganze Ausmaß der Naturkatastrophe erkennbar. Das Beben hatte einen Tsunami ausgelöst. Minuten nach dem starken Beben waren große Teile der chilenischen Küste von einer hohen Flutwelle überspült worden. Erinnerungen an den Tsunami 2004 in Südostasien werden wach. In der Nähe von Concepción wurde ein kompletter Zirkus samt Rummelplatz durch die Gewalt des Wassers verwüstet. „Als das Schlimmste geschah, haben wir geschlafen. Wir hatten keine Zeit, irgend etwas mitzunehmen, nicht mal die Kostüme. Wir konnten gerade die Kinder schnappen und auf den Berg hoch rennen. Das hat uns gerettet.“
„Ich habe alles verloren, habe kein Bett mehr, nichts. Mir ist nur geblieben, was ich am Körper trage. In unserer Verzweiflung sind auf den Berg geflüchtet. Da oben haben wir dann die ganze Nacht verbracht. Wir konnten nichts machen. Meine ganzen Ersparnisse hat das Wasser mitgerissen.“ „Wir sind mit dem Leben davon gekommen, wir leben noch. Alles Materielle ist ersetzbar.“ Das chilenische Katastrophenamt schätzt, dass etwa anderthalb Millionen Häuser und Wohnungen zerstört oder beschädigt wurden. Nahe der Küstenstadt Constitución finden Soldaten Opfer direkt am Strand. Viele Menschen hatten keine Chance, der Welle zu entkommen. „Es gibt vermutlich noch viele Vermisste, die unter den Trümmern liegen können", so Jorge Concha, Oberst, Chilenische Armee
Plünderungen aus der Not
Unterdessen nimmt die Verzweiflung bei denen zu, die alles verloren haben. Mitten in Concepción plündern Menschen einen Supermarkt. „Das ist reine Notwendigkeit, wir haben kein Trinkwasser, wir haben nichts zum Essen. Wir wohnten im fünften Stück, alles ist eingestürzt, wir haben überhaupt nichts.“
Andere nutzen die Gelegenheit und nehmen nicht nur Lebensmittel mit. Das sind vereinzelte Ausnahmen, Hilfslieferungen aber erreichten die Menschen bislang nicht und die meisten Geschäfte in der Stadt waren geschlossen. Die Polizei versuchte der Lage Herr zu werden und vertrieb die Plünderer mit Tränengas und Wasserwerfern. Immer noch warten viele Verletzte auf medizinische Hilfe. Weil auch Krankenhäuser zerstört wurden, warten diese Menschen in Concepción im Freien auf Hilfe. Ärzte operieren unter freiem Himmel.
Es wird noch Tage dauern, bis wirklich die ganze Dimension dieses starken Erdbebens und des ihm folgenden Tsunamis in Chile klar werden. Da hilft schon ein kleiner Trost.