Juncker die Euro-Mitgliedsländer und Bundeskanzlerin Angela Merkel rechtfertigt die gigantische Summe damit, "
dass es ein hohes Maß an Spekulationen gegen den Euro als Ganzes gibt."
Dirk Müller, der Börsenexperte und bekannt als Mr. Dax resümiert: "Man möchte den Euro sprengen und genau das passiert im Augenblick."
report-Video: Krieg gegen den Euro: Wie die Banken profitierenFür 125 Mrd. Euro soll der deutsche Steuerzahler gerade stehen, wenn die Spekulanten erneut zum Angriff auf den Euro blasen. Doch ihre Waffe - hochriskante Finanzpapiere - hätten Europas Politiker längst entschärfen können. Und profitieren tun mal wieder die Banken. Sie verdienen am Handel kräftig mit.
Schuld an den Attacken: Finanzpapiere mit dem Namen CDS. Credit Default Swaps. Zu Deutsch Kreditausfallversicherungen. Die CDS seien als Kriegswaffe hervorragend geeignet, so der Bankenrechtsexperte Prof. Karl-Joachim Schmelz.
Prof. Karl-Joachim Schmelz, Bankenrechtsexperte:
"Wir schätzen, dass es zig oder Hunderte von Billionen sind, die da bewegt werden."
Die Politik versucht mit Hunderten von Milliarden an Steuergeldern, die Attacken abzuwehren. Doch er, Deutsche Bank Chef Josef Ackermann, heizt die Gerüchte um den Misserfolg der milliardenschweren Rettungsaktionen vergangene Woche öffentlich an:
Josef Ackermann, Deutsche Bank:
"Aber ob Griechenland über die Zeit wirklich in der Lage ist, diese Leistungskraft aufzubringen, wage ich zu bezweifeln."
Diese Äußerung gibt den Spekulanten neuen Stoff. Pikant: Die Banken verdienen im CDS Handel mit! Dass das so ist, erklärt uns einer, der die Banken von innen kennt. Wir treffen ihn vergangene Woche in Frankfurt. Riesengewinne für die Deutsche Bank. Wie geht das mitten in der Krise? Ein Bilanzexperte erklärt: "Wenn Sie sich den letzten Quartalsbericht der Deutschen Bank hier anschauen, dann haben 95 Prozent dieses riesigen Gewinns überhaupt nichts mit dem originären Bankgeschäft zu tun."
Womit dann? Da sind insgesamt Gewinn nach Steuern allein im ersten Quartal dieses Jahres 1,8 Mrd. Euro! Ein Blick in die Unterlagen zeigt: Das starke Ergebnis erwirtschaft die Bank im Handel mit Kreditprodukten, dazu gehören auch die CDS.
Grundsätzlich läuft das so: Wer Staatspapiere kauft, leiht einem Land Geld. Am Ende der Laufzeit muss der Staat das Geld zurückzahlen. Geht der Staat pleite, dann ist das Geld verloren. Gegen dieses Risiko kann man sich mit CDS versichern. Wird der Staat zahlungsunfähig, dann zahlt der CDS Versicherer das Geld zurück. Börsenexperte Dirk Müller weiß, dass die Deutsche Bank in diesem Billionenmarkt CDS kräftig mitmischt. Hier geht es schon lange nicht mehr um das Absichern von Kreditrisiken, längst haben die Zocker diesen Markt für sich entdeckt.
Dirk Müller, Börsenexperte:
"Das Problem ist nicht die Versicherung an sich, sondern, dass sehr viele eine Versicherung abschließen, die gar kein Risiko haben. Nehmen wir als Bespiel: Sie versichern Ihr Haus gegen Feuer und alle Ihre Nachbarn versichern ebenfalls, wenn Ihr Haus abbrennt, bekommen die Geld. Dann würden Sie unruhig schlafen. Denn dann hat einer Interesse daran, dass Ihr Haus abbrennt."
Die Kreditausfallversicherungen CDS können also nicht nur diejenigen kaufen, die Staatspapiere haben, sondern auch Spekulanten! Ein Gerücht über die Zahlungsunfähigkeit reicht, schon steigt der Preis für die CDS. Dann klingelt bei den Spekulanten die Kasse. Und wenn der Staat zahlungsunfähig wird, bekommen sie Geld, obwohl sie gar keine Staatsanleihen haben. Mitten im New Yorker Finanzdistrikt ist die Firma ansässig, die als einzige weltweit über aktuelle Informationen zu den CDS-Spekulanten verfügt: DTCC, in der Waterstreet 55. Sie gehört internationalen Banken und Finanzakteuren und hat Zahlen, in die keine Finanzaufsicht der Welt Einblick hat.
Brisant: Im gleichen Gebäude sitzt sogar Standard and Poors´, das ist die Ratingagentur, die zuletzt die Kreditwürdigkeit Griechenlands, Spaniens und Portugals herabgestuft hat. Anfang Mai waren über 22 Billionen Dollar im Markt. Keine Aufsicht, keine Kontrolle, brandgefährlich. Und dann entfacht Deutsche Bank Chef Josef Ackermann die CDS Spekulationen auf griechische Staatsanleihen aufs Neue: "Ob Griechenland …in der Lage ist, diese Leistungskraft aufzubringen, wage ich zu bezweifeln."
Dirk Müller ist der Meinung, dass so eine Aussage von Herrn Ackermann die Märkte massiv unter Druck bringt.
Dirk Müller, Börsenexperte:
"Das bringt das Vertrauen in die Rettungspakte unter Druck und sorgt dafür, dass das Rettungspaket Makulatur wird."
Bankenrechtler Karl-Joachim Schmelz ist persönlich davon überzeugt, "dass solche Bemerkungen von großen Banken niemals ohne Absicht und ohne Planung fallen. Wäre ja Wahnsinn, sich die entstehenden Bewegungen an den Märkten entgehen zu lassen. Denn aus den Bewegungen der Märkte ergibt sich das Geschäft."
Wie hoch ist das CDS-Volumen, dass die Deutsche Bank seit Ausbruch der Finanzkrise, 2008, gehandelt hat, wollen wir wissen? Bis zur Sendung keine Antwort dazu, nur soviel: Die Deutsche Bank würde für ein Jahr ihre eigenen Griechenland Positionen nicht antasten.
Berlin vergangene Woche. Hektik ist spürbar, die CDS sind in aller Munde, plötzlich, obwohl doch die Gefahr, die von ihnen ausgeht, schon lange bekannt ist. Auch bei der Lehman-Pleite im Herbst 2008 geben Experten CDS-Spekulationen die Schuld. Ob der Rettungsschirm gegen die Billionenattacken der Spekulanten schützt, bezweifeln Parlamentarier:
Die Haushaltsauschussvorsitzende Petra Merkel von der SPD meint dazu:
Petra Merkel, SPD:
"Wenn man jetzt das Pflaster oder das Verbandszeug rausholt und die Ursache warum man einen Unfall hatte nicht beseitigt, hat das keinen Sinn."
Bartholomäus Kalb, für die CDU/CSU Mitglied im Haushaltsausschuss hofft, "dass jetzt alle die Lehren daraus ziehen. Hier muss dringend gehandelt werden."
Und Haushaltsausschussmitglied Peter Danckert von der SPD sagt: "Der Handel mit Derivaten, mit Instrumenten, die der Finanzmarkt erfunden hat, die niemand helfen, die sozusagen in der Hand von Spekulanten betrieben werden und uns an der Rand des Abgrunds bringen, die müssen verboten werden."
Das hätte schon vor drei Jahren geschehen müssen, empört sich Yiorgos Vassalos von der Lobby-Kontrollorganisation Corporate Europe Observatroy. Denn CDS Spekulation waren schon damals Schuld an der Finanzkrise. Doch gerade die Gremien, die die EU-Kommission beraten, sind mit Bankern besetzt, auch die deutsche Bank sowie andere Banker aus Deutschland sind wieder dabei:
Yiorgos Vassalos, Corporate Europe Observatroy:
"Als wir unseren Bericht gemacht haben und angemahnt haben, dass die Beraterstrukturen der EU-Finanzpolitik mit Bankern besetzt sind, haben wir zu hören bekommen: Wenn Sie etwas über den Finanzmarkt wissen wollen, dann fragen sie doch auch nicht ihren Bäcker."
Die 2. CDS-Krise ist da. Gierige Spekulanten und zahnlose Politiker bedrohen unser Geld.