Wir fahren in den Norden. Dort sind die Pisten notorisch schlecht. Bald soll hier eine richtige Strasse die kleinen Dörfer der Viehhirten mit Äthiopien im Norden und der Hauptstadt im Süden verbinden. Die Regierung hat hier nie investiert, weil die Samburu im fernen Nairobi keine Lobby haben.
Mit den ersten Sonnenstrahlen scheucht Caishan, der Ingenieur aus dem fernen China, seine afrikanischen Arbeiter zur Baustelle - auch samstags und sonntags. Der ehrgeizige Ingenieur weiß: 1.500 Kilometer Strasse quer durch die Wüste, das geht nur mit eiserner Disziplin. Er darf seine afrikanischen Arbeiter nicht zu sehr antreiben. Chinesisches Tempo sind die nicht gewöhnt.
Nur zusammen mit seinem Partner, dem erfahrenen kenianischen Ingenieur Joseph wird er die Herausforderung meistern: Es fehlt an allem, vor allem an Fachpersonal.
Ingenieur Caishan:
"Wir musste ihnen alles beibringen. Schritt für Schritt, wie in einer Familie."
Joseph Munyi, Ingenieur Zanger:
"Die Chinesen sind sehr bodenständig. Es macht ihnen nichts aus mit uns zusammen in einem Camp zu wohnen, in Zelten direkt neben uns. Sie trinken dasselbe Wasser. Das macht den Umgang mit ihnen sehr unkompliziert."
Die Samburu hoffen auf die Straße
Mittagspause im Buschcamp. Hier schlafen und leben die Arbeiter – Chinesen und Afrikaner – monatelang zusammen. Spitzenlöhne verdient hier keiner. Doch für die Chinesen ist Afrika der neue Zukunftsmarkt. Die meisten schicken ihr gesamtes Gehalt nach Hause, damit ihre Familien dort überleben.
Man braucht in Afrika viel Geduld, meint der alte Mechaniker, dessen Leben zu Hause auch nie einfach war:
"Ich habe in China selbst noch Armut erlebt und am eigenen Leib erfahren, wie wichtig eine Straße ist. Erst mit einer Straße kommt Wohlstand. Und das wird auch hier in Afrika nicht anders sein. Eine Straße ist der Schlüssel zu allem."
Ein Ingenieur:
"Ich komme aus der Großstadt und bin ein Einzelkind. Ich hatte keine Ahnung, was mich hier erwartet. Für mich ist das eine ganz andere Welt. Selbst auf dem Land in China sind wir weiter als die Afrikaner hier oben. Es ist hart, aber die Menschen sind dankbar, dass wir ihnen eine Straße bauen."
Heimflüge gibt es nur selten. Sein Baby hat er nur einmal gesehen. Doch hier verdient er mehr als zu Hause.
Den Argusaugen des alten Nomaden Leramae entgeht nichts. Ganz genau schaut er den Chinesen zu. Anfangs war der 70-jährige Samburu skeptisch. Versprechen, eine Strasse zu bauen, habe es viele gegeben, meint er. Jedes Mal wenn gewählt wurde:
"Mein ganzes Leben habe ich auf diese Straße gewartet. Unsere Regierung hat uns immer wieder hängen gelassen."
Samuel Leadreker, ein anderer Samburu:
"Wenn die Teerstraße hier endlich ankommt, wird unser Leben leichter. Die Kleinbusse werden billiger und damit der Transport für unsere Rinder zum Markt."
Leramae Lesokoyo:
"Ich habe keine Angst vor Wandel, denn so kann es nicht weitergehen. Unsere Jungen brauchen eine Perspektive. Man muss dieser Region endlich eine Chance geben."
In Sambia kämpfen die Gewerkschaften
Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt, sagt ein chinesisches Sprichwort. Das wissen auch die Samburus. Eine Straße von Kairo nach Kapstadt. Einst der Traum der Kolonialherren. Jetzt bauen die Chinesen sie.
Ich fahre nach Sambia, einst stolz auf seine Kupferindustrie. Hier haben die Chinesen in den letzten Jahren massiv investiert und eine spezielle Wirtschaftszone geschaffen. Mit solchen Zonen hat China einst seine eigene Industrialisierung vorangetrieben.
Chinesische Unternehmer und Staatsbetriebe haben nach und nach die alten unrentablen Minen aus den 80er Jahren aufgekauft und eine Milliarde Dollar investiert. Die wachsende chinesische Industrie braucht Kupfer. Die Umweltstandards und Arbeitsbedingungen sind hier nicht besonders gut. Das will ich mir anschauen.
Nach monatelangem Ringen haben wir einen Termin beim chinesischen Betreiber der neuen Kupferschmelze. Doch als ich uns ankündige, sagt man mir, der Werksleiter musste nach China reisen. Das Tor der Kupferschmelze ist verschlossen.
Durchs Gitter sehen wir chinesische und afrikanische Arbeiter vor ihren Unterkünften. Wir erlauben hier keine Kamera, sagt der Wachmann. Ich versuche, die Dolmetscherinnen zu überzeugen. Doch sie beharren: die westliche Presse berichte immer nur einseitig über die Chinesen als neue Kolonialherren Afrikas, da müsse man vorsichtig sein, meint sie.
Das chinesische Management bleibt hart: Wir dürfen das neue Werksgelände nicht drehen.
Der chinesische Botschafter in Sambia erklärt mir die Strategie der Chinesen. Afrika – das ist für uns der Markt der Zukunft, meint er.
Li Qiangmin, Chinesischer Botschafter in Sambia:
"Von unseren Investitionen sollen beide Seiten profitieren. Unsere Wirtschaft wächst enorm und wir suchen Absatzmärkte und Rohstoffe hier in Afrika. Aber wir brauchen auch Freunde. Und je mehr Freunde wir in der Welt haben, desto mehr Macht haben wir."
Schlechtere Arbeitsbedingungen?
Doch in den Zechenkneipen ist von dieser Freundschaft noch nicht soviel zu spüren. Die Männer sind gar nicht gut auf die Chinesen zu sprechen. Sie seien zwar die einzigen, die in den letzten Jahren Arbeitplätze geschaffen haben, meint Ernest, ein Lagerarbeiter, doch die Löhne, seien zu gering. Immer wieder gibt es deswegen Streiks und Ausschreitungen.
Ernest Chola:
"Früher, als das hier noch staatliche Betriebe waren, da hat man sich um uns gekümmert. Wir hatten richtige Schutzkleidung und haben Überstunden bezahlt bekommen. Das gibt es jetzt nicht mehr."
Anders als in Kenia sind die meisten Sambier in Gewerkschaften organisiert. Die üben zunehmend Druck auf chinesische Arbeitgeber aus, wollen aber gleichzeitig auch nicht die Arbeitsplätze gefährden. Die Regierung müsste strengere Auflagen machen, wettern die Männer.
Paul Banda, Gewerkschafter:
"Die Chinesen haben unsere Kultur noch nicht verstanden. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Als Sambier ist es völlig normal, dass ich viele Kinder habe. Und jetzt kommen die Chinesen daher und verlangen von uns, dass wir nur noch ein Kind haben. Krankenversicherung gibt es nur für ein Kind. Ich habe aber vier Kinder. Wir sind Afrikaner und dazu stehen wir und das sollten sie respektieren."
Noch prallen in Sambia zwei Welten aufeinander, meinen die Gewerkschafter. Die Chinesen werden an dieser Freundschaft wohl noch arbeiten müssen.